Kreativtechniken Vergleich

Kreativtechniken
Als Kreativling und auch Qualitäter habe ich mich eine Weile mit Kreativtechniken beschäftigt. Die Auswahl ist da ziemlich groß und trotzdem werden nur wenige wirklich benutzt. Die bekannteste ist vermutlich das Brainstorming. Kennt jeder, wird aber sehr oft falsch gemacht. Doch dazu später, nach der Vorstellung von ein paar Kreativtechniken, die ich sehr mag:
 
Kopfstandtechnik

Ich finde diese Technik großartig, weil ich Perspektivwechsel sehr gerne mag und diese Technik es auf die Spitze treibt. Die Fragestellung wird nämlich umgekehrt zu „was kann ich tun, um das Problem auf gar keinen Fall zu lösen bzw. zu verschlimmern?“

Ähnlich wie beim Brainstorming wird auch hier in einer bestimmten Zeit möglichst viel an Ideen vorgebracht, allerdings soll es ja darum gehen alles noch schlimmer zu machen. Das kann zu einigen Lachern führen. Am meisten Spaß und Ergebnisse bringt sie natürlich auch in kleinen Gruppen, aber auch allein ist so eine Änderung der Perspektive wirklich hilfreich.

Ist die Zeit um, werden alle Ideen noch einmal angeschaut, ob sie wirklich machbar wären (Stichwort: Fee). Im nächsten Schritt wird dann wieder umgedreht, der Kopfstand also verlassen: Wenn ich das Gegenteil mache, würde es mein Problem / meine Situation verbessern? Meist kommt man an dieser Stelle dann von einer ungewöhnlicheren Seite.

 
Walt Disney Methode
 
Dort schlüpfen die Teilnehmer nacheinander in 3
verschiedene Rollen: Träumer, Realist und Skeptiker. Der Träumer darf
sich wirklich alles ausdenken, der Realist prüft auf Machbarkeit und der
Skeptiker versucht noch mögliche Fallstricke zu finden. Man kann es alleine „durchziehen“, indem man alle Rollen selber alleine durchläuft, oder in einer Gruppe. Besonders die Träumer-Ecke profitiert von mehr als einer Person
 
6 Hüte Methode

Ähnlich der Walt Disney Methode schlüpfen die Teilnehmer bei dieser Technik in verschiedene Rollen, symbolisiert durch verschiedenfarbige Hüte. Während des kreativen Prozesses sollen sie „in der Rolle“ bleiben und entsprechend der Hutfarbe diskutieren.Alle Beteiligten setzen nacheinander die verschiedenen Hüte auf und sagen, was sie in dieser Rolle zur Problemstellung zu sagen haben. Die Aussagen werden schriftlich festgehalten. Das kann aber auch verdeckt erfolgen, damit sich die einzelnen Rollen nicht beeinflussen.

Dabei gibt es folgende Rollen:

Weiß
— Analytisches Denken
— Konzentration auf Tatsachen
— Objektive Haltung

Rot:
— Emotionales Denken und Empfinden
— Konzentration auf Gefühle und Meinungen
— Subjektive Haltung

Schwarz:
— Kritisches Denken
— Risikobetrachtung, Probleme, Skepsis, Kritik und Ängste beschreiben
— Objektive Haltung

Gelb:
— Optimistisches Denken
— Was ist das Best-Case Szenario
— Spekulative Haltung

Grün:
— Kreatives, assoziatives Denken
— Neue Ideen, Kreativität
— Konstruktive Haltung
(Keine kritischen Bemerkungen, dafür ist der schwarze Hut da)

Blau:
— Ordnendes, moderierendes Denken
— Überblick über die Prozesse
— Big Picture Haltung
(der blaue Hut kann auch rein von einer Person genutzt werden, diese ist dann Moderator)
.

Brainstorming

Eine, wenn nicht die bekannteste, Methode. Für ein gegebenes Problem werden in einer bestimmten Zeit so viele Lösungen wie möglich generiert. Diese Lösungen dürfen auch total abwegig sein. „Ein Wunsch einer guten Fee“ wäre also auch möglich. Es wird nicht ge- oder bewertet. Wenn die Zeit zu Ende ist oder keine weiteren Ideen mehr kommen, ist es Zeit sich die Ideen genauer auf Machbarkeit anzusehen. Das ist dann der Zeitpunkt, an dem die Sache mit der Fee wohl aussortiert wird. Trotzdem ist sie wichtig, denn ein Schubs aus einer abwegigen Ecke bringt fast immer Schwung in die Gedanken, um unkonventionell zu denken – oder sorgt zumindest für Lacher und damit für Entspannung.

Am Ende des Sortierens sollten 3-5 Möglichkeiten übrig sein, die zumindest auf den ersten Blick machbar aussehen und dann weiter verfolgt werden können.

Diese Methode ist in kleinen Gruppen am effektivsten. Sie allein anzuwenden funktioniert auch, aber es kommt deutlich weniger an Möglichkeiten dabei herum. Wenn man feststeckt im Gedankenkarussell, ist sie (allein) nicht zu empfehlen. Eine weitere Person dazu zunehmen hilft aber schon.

Der größte und trotzdem immer gern gemachte Fehler: Brainstorming mit Wertung der Ideen gleich zu Beginn. Das bremst sofort. Und Totschlagargumente wie „das haben wir noch nie gemacht“ sind der Tod für neue Ideen. Also: im ersten Schritt wirklich alles zulassen und erst dann sortieren

 

Gemeinsamkeiten
 
Alle Methoden haben gemeinsam, dass sie in einer kleinen Gruppe am besten funktionieren. Und alle Methoden leben davon, dass mindestens ein Teil der (wenn nicht die ganze) Gruppe frei und ohne Wertung „herumspinnen“ darf. Ein Punkt, der selten Erwähnung findet, aber alles leichter macht, ist Humor. Immer ein guter Türöffner und wenn ich als Moderator kein Problem damit habe, über mich selber zu lachen, ändert sich sofort die Stimmung in der Gruppe – und es kommen wesentlich mehr auch unkonventionelle Ideen zusammen.
 
Nebenbei: ohne ein bisschen „Rumspinnen“ würde es meine Bucketlist auch gar nicht geben.

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